Lösungen für die Energiewende

Die Modellregion soll zeigen, wie ansonsten abgeregelter Windstrom in Hybridheizungen genutzt werden kann.

Wind und Wärme: Modellregion für Sektorenkopplung

In Sachen Energiewende ist Schleswig-Holstein deutschlandweit Vorreiter. Im nördlichsten Bundesland wird vor allem die Windkraft genutzt, um auf klimaschonende Weise Strom zu erzeugen. Doch der Wind weht mit schwankender Stärke: Wird besonders viel Strom produziert, können die überregionalen Übertragungsnetze die Energie nicht immer aufnehmen. Abregelungen der Windkraftanlagen sind die Folge. Wie Hybridheizsysteme hier intelligent und mit vergleichsweise geringem Kostenaufwand einen sinnvollen Beitrag leisten können, soll jetzt eine Wind-und-Wärme-Modellregion zeigen. 

Ganz im Nordwesten Deutschlands, südlich der Bahnstrecke von Niebüll nach Sylt, liegt die Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Die Stromgewinnung ist hier ein wichtiger Wirtschaftszweig: Zahlreiche Windräder prägen die Landschaft – doch auch sie sind von gelegentlichen Abregelungen betroffen und ein Teil der Windenergie wird nicht genutzt.

Um künftig eine sinnvolle Verwendung dieser regenerativen Energie zu ermöglichen, ist die Verknüpfung des Stromsektors mit anderen Energiesektoren ratsam. Im Rahmen der Modellregion mit 14 Teilnehmern im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog soll die zeitweise ansonsten ungenutzte Windenergie gleich vor Ort zum Heizen von Häusern genutzt werden. Möglich wird dies durch den Einsatz von Hybridheizsystemen, die die benötigte Wärme wahlweise mit Heizöl oder Windstrom erzeugen können. Angefangen bei einfachen Elektroheizstäben, die in den Wärmespeicher der Heizungsanlage eingebaut werden, bis hin zu effizienteren, aber auch teureren Kombinationen aus Strom-Wärmepumpe und Öl-Brennwertgerät können verschiedene Lösungen realisiert werden.

Ins Leben gerufen wurde die Modellregion von vier Projektpartnern: der ARGE Netz aus Husum, dem Bürger-Windpark Lübke-Koog Infrastruktur, der Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog und dem Hamburger Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO). „Die intelligente, angebotsabhängige Windstrom-Nutzung wird automatisiert über das Erneuerbare Energien Kraftwerk der ARGE Netz erfolgen“, so Hauke Großer, Leiter Energiewirtschaft bei ARGE Netz.

Grafik: IWO

Ölheizungen in ländlichen Regionen weit verbreitet

Ziel des Modellvorhabens ist es, die Möglichkeiten der Sektorenkopplung zur Erhöhung des erneuerbaren Anteils im Wärmesektor sowie die Machbarkeit und die Einsparpotenziale von Power-to-Heat-fähigen Hybridheizungen in Privathaushalten zu demonstrieren, zu analysieren und mit Messdaten zu dokumentieren. 

„Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog bietet sich aufgrund seiner Nähe zum örtlichen Windpark ideal an“, so Bürgermeister Christian Nissen. Ölheizungen sind hier, wie auch in anderen ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins, weit verbreitet. Rund ein Viertel aller Haushalte im nördlichsten Bundesland nutzt diesen Energieträger. So auch in der Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Durch die großen Entfernungen zwischen den Höfen und Häusern untereinander stellt hier zum Beispiel ein Fernwärmenetz keine Alternative dar.

„Ziel unserer Maßnahmen ist es, mehr erneuerbare Energie aus der Region in der Region zu nutzen, CO2-Emissionen zu senken und Flexibilitätspotenziale zu heben“, so Hans-Detlef Feddersen vom Bürger-Windpark Lübke-Koog Infrastruktur. Nach Umbau und Inbetriebnahme der Heizungsanlagen wird 2019 in einer einjährigen Messphase ermittelt, wieviel erneuerbar erzeugter Strom in den Gebäuden zum Heizen eingesetzt werden kann.


Weitere Infos zur Wind-und-Wärme-Modellregion Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog: www.wind-und-waerme.de