Sichere Versorgung dank flüssiger Energien

Das „Gesetz über die Bevorratung mit Erdöl und Erdölerzeugnissen“ verpflichtet den Erdölbevorratungsverband (EBV) und die Hersteller von Erdölerzeugnissen zu einer Reservehaltung für mindestens 90 Tage, um eventuelle Versorgungsengpässe aufzufangen.

Die Energieversorgung befindet sich im Umbruch. In den Bereichen Verkehr, Industrie Gewerbe und Haushalte soll langfristig Strom eine größere Rolle spielen – und zwar Strom aus erneuerbaren Quellen. Allerdings stehen Wind- und Sonnenergie nur fluktuierend zur Verfügung. Eine sichere Ergänzung wird daher dauerhaft vonnöten sein. 

Bei der Suche nach sicheren Reserven landet man schnell bei flüssigen Energien – heute vorwiegend  aus fossilen Rohstoffen, künftig zunehmend auf Basis erneuerbarer Energien, etwa in Form von E-Fuels. Denn egal ob fossil oder erneuerbar – eine Eigenschaft ist den flüssigen Energieträgern gemein: Sie verfügen über eine hohe Energiedichte lassen sich sehr gut speichern. 

Deshalb spielt Mineralöl auch heute schon als Energiespeicher eine wichtige Rolle: Weil Erdöl in Deutschland einer der wichtigsten Primärenergieträger ist und der Bedarf nur zu knapp drei Prozent aus der Inlandsförderung gedeckt werden kann, gibt es die Regelung zur zivilen Ölkrisenvorsorge. Das heißt, der Staat hält ständig eigene Ölvorräte bereit. Die gesetzliche Vorratspflicht bemisst sich nach der Menge an Rohöl, und Erdölerzeugnissen wie Benzin, Diesel, Heizöl EL und Kerosin, die in 90 Tagen durchschnittlich nach Deutschland importiert werden. 

Lehren aus den Ölkrisen gezogen

Anders als in den 1970er Jahren ist Deutschland für den unwahrscheinlichen Fall von Lieferengpässen also gut gerüstet. Die gute Absicherungsstruktur ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen europaweiten Entwicklung. Bereits 1966 wurden Mineralölgesellschaften verpflichtet, Vorräte zur Vorsorge für Versorgungsstörungen anzulegen. Die gesetzlichen Vorgaben wurden seither mehrfach angepasst und mündeten 1974 in die Unterzeichnung des Internationalen Energieprogramms (IEP), das zur Gründung der internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris führte. 

Dank der europäischen Ölbevorratungsrichtlinie des EU-Rates von 2009, welche die Mitgliedsstaaten verpflichtet, Mindestvorräte an Erdöl und/oder Erdölerzeugnissen zu halten, gilt seit 2013 für die EU-Mitglieder die gleiche Bevorratungspflicht wie für die IEA-Mitgliedsländer.

In Deutschland gibt es ein umfangreiches und flächendeckendes Reservenetz, in dem Rohöl und Mineralölprodukte vorgehalten werden. Gelagert werden die Bestände in Kavernen in ehemaligen Salzstöcken sowie in oberirdischen Tanklagern, häufig in gemeinschaftlicher Lagerung mit Mineralölunternehmen. Zuständig ist der Erdölbevorratungsverband (EBV) in Hamburg. Der EBV, der unter Aufsicht des Bundeswirtschaftsministeriums steht und von der Mineralölwirtschaft getragen wird, hat den gesetzlichen Auftrag, so viel Öl vorzuhalten, dass der deutsche Verbrauch damit 90 Tage lang gedeckt wäre.

Verbraucher halten zusätzliche Ölvorräte

Noch nicht eingerechnet sind hierbei die großen Vorräte, die direkt bei den Verbrauchern lagern. Dazu zählen die privaten Haushalte, die in Heizöltanks und auch in ihren PKW-Tanks beachtliche Mengen Mineralölprodukte „lagern“. Und auch Tankstellen und Heizölhändler verfügen über erhebliche Lagerbestände, ebenso wie die Mineralölwirtschaft. 

Laut einer Studie von Economics Trends Research, entspricht die insgesamt in Deutschland gelagerte Energiemenge in Mineralöl-Produkten und Rohöl schätzungsweise 535 Terawattstunden (TWh). Das ist mehr als der jährliche Stromverbrauch in Deutschland.

Infrastruktur funktioniert auch für E-Fuels

Diese intakte Infrastruktur lässt sich nahtlos weiter nutzen, wenn Benzin, Heizöl, Diesel und Co. künftig zunehmend durch Kraft- und Brennstoffe aus erneuerbaren Energien ersetzt werden. Denn eine der obersten Maximen bei der Entwicklung treibhausgasreduzierter flüssiger Energieträger ist, dass diese ohne größere Anpassungen in heute bestehender Infrastruktur eingesetzt werden können. Dieser Vorsatz bezieht sich nicht nur auf die Anwendungstechnologien wie Motoren und Brenner, sondern auch auf Lager- und Transportinfrastruktur. 

Energiespeicher Tank

Grafik: IWO

Ein Heizöltank ist auch ein Langzeit-Energiespeicher: In einem 1.000-Liter-Heizöltank stecken 10.680 Kilowattstunden Energie, die über einen sehr langen Zeitraum erhalten bleibt. Zum Vergleich: In einem 1.000-Liter-Warmwasserspeicher können maximal 90 Kilowattstunden Energie bevorratet werden, wovon jeden Tag fünf Prozent wieder verloren gehen. Eine Batterie mit einem Volumen von 1.000 Litern speichert 400 Kilowattstunden bei einem Energieverlust von etwa einem Prozent pro Monat.