RED II: Bundesregierung muss Chance nutzen

Mitte 2018 hat sich die EU auf eine Anschlusslösung für die 2020 auslaufende Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Renewable Energy Directive/RED) geeinigt: Die RED II definiert Nachhaltigkeitskriterien unter anderem für flüssige Biokraftstoffe im Verkehrssektor. Außerdem legt die Richtlinie fest, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch bis 2030 bei 32 Prozent liegen soll. Die Mitgliedsstaaten sind dazu verpflichtet, nationale Maßnahmen zu ergreifen, damit diese Ziele erreicht werden.

Die finale Einigung auf die RED II erfolgte am 14. Juni 2018 im Trilogverfahren zwischen EU-Parlament, den Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission. Diese Fassung der Richtlinie wird bis 2030 gelten und schafft Klarheit, welche Rohstoffquellen und Kraftstoffarten in welcher Höhe auf das Klimaschutzziel der EU angerechnet werden. Die EU-Mitgliedsstaaten sollen dafür sorgen, dass mindestens 14 Prozent der im Straßen- und Schienenverkehr verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen stammt.

Förderung erneuerbarer Energien

Grundsätzlich hat die RED zum Ziel, mehr erneuerbare Energien in den Markt zu bringen, insbesondere in den Sektoren, die nicht vom Emissionshandel erfasst sind. 

Ein wichtiges Thema sind Biokraftstoffe, an denen bereits seit Anfang der Jahrtausendwende geforscht wird. In der ersten Fassung der RED erkannte die Europäische Union seit 2008 Biokraftstoffe der ersten Generation, die aus Feldfrüchten wie Raps, Mais oder Zuckerrohr gewonnen werden, für die Kraftstoffquote zur Erfüllung der Klimaschutzziele an. 

Doch die Diskussion, ob Nahrungsmittel auf den Teller oder in den Tank gehören und die oftmals mit dem Anbau der Pflanzen verbundenen indirekten Landnutzungsänderungen führten zu einem Umdenken. In der Fortschreibung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (REDII) werden daher Biokraftstoffe der zweiten Generation aus Rest- und Abfallstoffen klar bevorzugt.

Erneuerbar aber nachhaltiger 

Nach dem Willen der EU soll der Biokraftstoff-Anteil an Europas Tankstellen ab 2021 vorrangig auf  nachhaltigen Rohstoffen der zweiten Generation basieren. Gemeint sind biogene Rest- und Abfallstoffe, etwa Stroh und  Restholz, Gülle und Klärschlamm, aber auch gebrauchte Lebensmittelfette wie das vielzitierte „Frittenfett“, die sich nicht als Nahrung und Futtermittel eignen. Bis 2030 sollen sie 3,5 Prozent des gesamten Kraftstoffbedarfs decken. Der Anteil von Biokraftstoffen der ersten Generation soll sinken.

Auch Elektromobilität und synthetische Kraftstoffe – sogenannte E-Fuels – können laut RED II auf die Zielerreichung angerechnet werden, ebenso die Verwendung von „grünem“ Wasserstoff in der Kraftstoffproduktion. Voraussetzung ist allerdings, dass die Bundesregierung jetzt die Chance nutzt, im nationalen Recht die Voraussetzungen zur Anrechnung zu schaffen. Unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen sind klimaneutrale E-Fuels nicht wirtschaftlich.