Power-to-Liquid - Teil 2: Warum sind E-Fuels so wichtig für den Klimaschutz?

Um die politisch beschlossenen Klimaziele zu erreichen, müssen die CO2-Emissionen in den nächsten drei Jahrzehnten in Deutschland um 80 bis 95 Prozent gesenkt werden. Synthetische Brenn- und Kraftstoffe aus regenerativen Quellen könnten dazu einen großen Beitrag leisten. Die Rede ist von Power-to-Liquid (PtL), also der Verflüssigung von Strom (Power), und dem daraus entstehenden Produkt, den E-Fuels.

E-Fuels bieten die gleichen Vorteile wie die heutigen mineralölbasierten Kraft- und Brennstoffe: Sie sind gut speicherbar und leicht zu transportieren, sie haben eine hohe Energiedichte und verfügen über eine hervorragende Infrastruktur. Ihr Bonus: E-Fuels sind treibhausgasneutral - sofern sie aus erneuerbarem Strom hergstellt werden.

In vier Teilen erklären wir wie E-Fuels hergestellt werden, warum sie für den Klimaschutz wichtig sind und wie der Einstieg in die PtL-Technologie gelingen kann. Dazu stellen wir einige aktuelle PtL-Projekte vor.

Teil 2: Warum sind E-Fuels so wichtig für den Klimaschutz?

Für alle flüssigen Energien – ob fossil oder erneuerbar – gilt zunächst mal: Die hohe Energiedichte sowie die einfache Lagerung und Transportfähigkeit machen flüssige Kohlenwasserstoffe zu einem idealen Energiespeicher. Strombasierte synthetische Energieträger – kurz E-Fuels – bieten zudem hohe Versorgungssicherheit: Sie können die zeitliche Differenz zwischen Erzeugung und Verwendung erneuerbarer Energie, etwa aus Wind oder Sonne, ausgleichen, weil sie den Ökostrom speichern und dann verfügbar machen, wenn er gebraucht wird.

Eine weitere Herausforderung der deutschen Energiewende: Aktuell wird der Primärenergiebedarf noch zu rund 85 Prozent  aus fossilen Energieträgern und Atomkraft gedeckt. Der Klimaschutz erfordert aber die Umstellung auf eine zunehmend CO2-neutrale Energieversorgung. Experten sind sich mehrheitlich einig:  Auch nach Umsetzung aller Maßnahmen zur Energieeinsparung und einem verstärkten Ausbau der hiesigen Windkraft- und Solaranlagen wird Deutschland als energieintensive Industrienation auf den Import erneuerbarer Energie angewiesen bleiben. Hierfür bieten sich flüssige Energieträger an. Dazu gehören, neben fortschrittlichen Biobrennstoffen, vor allem die sogenannten E-Fuels.

Vorhandene Techniken und Infrastruktur weiter nutzen

E-Fuels passen auch zu den bewährten und weit verbreiteten Anwendungstechnologien: Sie können im Fahrzeug- und Heizungsbestand verwendet werden. Dadurch könnten sie eine schnelle sowie volkswirtschaftlich günstige CO2-Senkung bewirken – die kostenintensive Umstellung auf andere Energiesysteme würde entfallen.

Und selbst wenn viel mehr Fahrzeuge und Heizungen in Zukunft rein elektrisch betrieben würden – Flugzeuge, Containerschiffe sowie viele Lkw werden wohl auch künftig auf überwiegend flüssige Energieträger angewiesen sein, um ihre Reichweite beizubehalten.

Mit E-Fuels haben all diese Verbrennungssysteme eine klimaneutrale Perspektive. Zudem können die Eigenschaften von  E-Fuels so designt werden, dass sie insgesamt fast schadstofffrei verbrennen – Stichwort „lokale Emissionen“. Außerdem ist es möglich, sie für eine Übergangsphase herkömmlichen Kraft- und Brennstoffen in zunehmendem Maße beizumischen.

 

Länder mit Potenzial für die PtL-Produktion

Grafik: IWO