Ölheizung reif für die Abwrackprämie?

Die Ölheizung ist teilweise umstritten – gerade im Hinblick auf Wärmewende und Klimaschutz. Eine aktuelle Studie zeigt aber: Die Klimaziele sind mit ölbeheizten Häusern erreichbar.

 

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Für das Erreichen dieser Werte spielt der Gebäudeenergiesektor eine wichtige Rolle, da hier noch erhebliches Potenzial schlummert: Rund drei Viertel der Wärme wird hierzulande mit fossilen Energien erzeugt, darunter rund 5,4 Millionen Ölheizungen. Die haben bei den Überlegungen zur Energiewende im Gebäudebereich bis vor kurzen keine besondere Rolle gespielt. Bis CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer Mitte August eine Abwrackprämie für Ölheizungen ins Gespräch brachte.

Eine solche Abwrackprämie kann aus Sicht der Mineralölbranche eine nachhaltige  Klimaschutzstrategie im Gebäudebereich aber nicht ersetzen. Selbstverständlich ist es richtig, rund 12 Millionen veraltete Öl- und Gasheizungen möglichst schnell gegen neue, effizientere Geräte auszutauschen. Aber die technischen Voraussetzungen und Anforderungen unterscheiden sich von Haus zu Haus.

Hinzu kommt, dass es gerade im ländlichen Raum oftmals zum Einbau einer effizienten Öl-Brennwertheizung, insbesondere als Hybridheizung in Kombination mit erneuerbaren Energien, keine technisch sinnvolle oder bezahlbare Alternative gibt. Allein solche Maßnahmen ermöglichen aber schon CO2-Einsparungen von rund 50 Prozent. Durch Dämmung der Gebäudehülle lässt sich dieser Wert noch weiter steigern.

Deswegen sollten Anreizprogramme zum Austausch alter Heizkessel unbedingt technologieoffen gestaltet werden. Die Branche fordert seit langem eine steuerliche Förderung energetischer Gebäudesanierungen einschließlich Heizungsmodernisierung.

Seit 1990 bereits 45 Prozent weniger Treibhausgase bei ölbeheizten Häusern
Was oft übersehen wird: Im ölbeheizten Gebäudebestand wurde bereits überdurchschnittlich viel erreicht: Die Treibhausgasminderung seit 1990 beträgt beachtliche 45 Prozent. Zum Vergleich: Der gesamte Gebäudesektor hat im gleichen Zeitraum eine Emissionsminderung von 38 Prozent erzielt.

Klar wird jedoch auch: Um die ehrgeizigen Klimaziele für 2030 zu erreichen, ist ein ambitionierteres Vorgehen notwendig. Dieses umfasst insbesondere deutlich mehr Heizungsmodernisierungen und Maßnahmen an der Gebäudehülle sowie die Einbindung erneuerbaren Stroms in Öl-Hybridheizungen. Auch das Heben von Einsparpotenzialen durch die Digitalisierung im Gebäudebereich („Smart Home“) sowie brennstoffseitige Treibhausgas-Minderungsoptionen werden zur Zielerreichung beitragen. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG).

Zusätzlich gewinnt laut Studie im Zeitraum nach 2030 der Einsatz treibhausgasreduzierter flüssiger Energieträger, die das fossile Heizöl zunehmend ersetzen, immer mehr an Bedeutung. Deshalb ist eine weitere zentrale Forderung an die Politik, schnell geeignete Markteinführungsprogramme zur Nutzung brennstoffseitiger Treibhausgasminderungsoptionen durch den Einsatz regenerativ erzeugter flüssiger Energieträger umzusetzen.