Erneuerbare Kraft- und Brennstoffe – eine realistische Alternative

Aus E-Strom und Wasser wird mittels Elektrolyse "grüner" Wasserstoff hergestellt. Daraus werden unter Hinzunahme von CO2 Kohlenwasserstoffe synthetisiert - sogenannte E-Fuels.

Klimaschutz ist eine unserer drängendsten Aufgaben – das gehört inzwischen zum gesellschaftlichen Konsens. Die Meinungen über geeignete Wege gehen allerdings häufig noch auseinander. Die Mineralölwirtschaft ist der festen Überzeugung, dass flüssige Energieträger eine wichtige Rolle auf dem Weg in eine treibhaugasneutrale Zukunft spielen werden.

Zunächst ein Blick auf die Gegenwart: Zur Endenergie, also der von Wirtschaft und Verbrauchern tatsächlich eingesetzten Energie, tragen Mineralölprodukte mit 37 Prozent den größten Anteil bei, gefolgt von Gas mit 25 Prozent. Dazu kommen Biokraftstoff oder Biogas als Beimischung zu konventionellen Kraft- und Brennstoffen. Strom folgt mit rund 20 Prozent. Davon ist ein gutes Drittel aus erneuerbaren Quellen. 

Der große Stellenwert flüssiger Kraft- und Brennstoffe ist vor allem in ihren spezifischen Vorteilen begründet: Hohe Energiedichte, schnelle Verfügbarkeit zu jeder Zeit und an praktisch jedem Ort. Für eine moderne Volkswirtschaft und breiten Wohlstand bleiben sie daher in vielen Einsatzgebieten unverzichtbar. 

Zweifellos kann „grüner“ Strom im Wärme- und Mobilitätssektor flüssige oder gasförmige Energieträger teilweise ersetzen bzw. ergänzen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ausreichend erneuerbarer Strom zeitlich und örtlich bedarfsgerecht zur Verfügung steht. Speicherbare und flexibel einsetzbare flüssige Kohlenwasserstoffe werden dennoch langfristig für viele Anwendungen benötigt.

Dies gilt insbesondere für den Einsatz in der Schiff- und Luftfahrt und einen Großteil des Nutzfahrzeugverkehrs, speziell auf der Langstrecke. Zudem wird in der Klimadebatte meist völlig übersehen, dass es auch „nichtenergetische“ Nutzung von Mineralölprodukten gibt, etwa in der Chemie, für Schmierstoffe und Straßenbelag (Bitumen).

Endenergieverbrauch nach Energieträgern in Deutschland

Endenergieverbrauch nach Energieträgern in Deutschland 2016 (Zahlen vorläufig), Quelle: AGEB, Grafik: MWV

Erneuerbare flüssige Kraft- und Brennstoffe sind unerlässlich 

Die gute Nachricht lautet, dass die vielseitig einsetzbaren Kohlenwasserstoffe, wie wir sie vom Öl kennen, für alle Anwendungsbereiche auch ohne Rohöl nutzbar gemacht werden können: zum Beispiel als fortschrittliche Biokraftstoffe oder als synthetische strombasierte Kraftstoffe, so genannte E-Fuels. 

Bei dieser Schlüsseltechnologie zur Herstellung erneuerbarer Kohlenwasserstoffe wird aus Ökostrom und Wasser mittels Elektrolyse „grüner“ Wasserstoff hergestellt. Daraus wiederum werden mit Hinzunahme von CO2 Kohlenwasserstoffe synthetisiert. Bei der Verbrennung dieser Produkte wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie zuvor der Atmosphäre entnommen wurde. Insofern ist die Nutzung der so hergestellten E-Fuels treibhausgasneutral.

Ohne erneuerbare Kraftstoffe können die Klimaziele im Luftverkehr, in der Seeschifffahrt und im Schwerlastverkehr nicht erreicht werden. Für den Pkw- und den Wärmesektor bieten sie im Innovationswettbewerb eine klimaneutrale Alternative zur Elektromobilität und zur elektrischen Wärmepumpe. Darüber hinaus können mit E-Fuels die bestehenden Antriebstechnologien und Infrastrukturen weiter genutzt werden: Sie sind in der heute bestehenden Pkw- und Lkw-Flotte einsetzbar. 

Politik muss alle Optionen zur Treibhausgasminderung unterstützen und Technologieoffenheit wahren

Noch sind fortschrittliche Biokraftstoffe und E-Fuels in der Herstellung deutlich teurer als heutige Kraft- und Brennstoffe. Wesentliche Faktoren sind dabei die Stromkosten und die Investitionskosten für die Elektrolyse.  

Damit E-Fuels mittel- und langfristig zu wettbewerbsfähigen Preisen und in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen, sind weitere Fortschritte und Kostensenkungen notwendig. Das erfordert schon heute passende Rahmenbedingungen. Unerlässlich ist die Beibehaltung der Technologieoffenheit, eine Förderung etwa im Bereich von Forschung und Entwicklung und – zumindest zu Beginn – eine Unterstützung bei der Markteinführung. Es muss in der aktuellen Debatte um die Zukunft von Verkehr, Wärme und Alltagsprodukten jetzt vor allem darum gehen, dass die Politik alle Optionen zur Treibhausgasminderung anerkennt und unterstützt – also neben der Elektromobilität auch fortschrittliche Biokraftstoffe und E-Fuels. Denn ohne diese sind die ambitionierten weltweiten Klimaziele nicht zu erreichen.