Energievorrat in deutschen Mineralöl-Lagern entspricht Stromerzeugung von einem halben Jahr

Rund 356 Terrawattstunden (TWh) stecken in den Mineralölvorräten, die Versorger aus Mineralölindustrie und -handel vorhalten.

In Deutschland werden große Mengen an Öl und Mineralölprodukten bevorratet. Dieser wichtige Energieträger ist gleichzeitig also auch einer der bedeutendsten Energiespeicher. 

Rund 356 Terrawattstunden (TWh) – so viel Energie steckt laut Berechnungen von Economics Trends Research allein in den Mineralölvorräten, die Versorger aus Mineralölindustrie und -handel vorhalten. Das entspricht in etwa der Energiemenge, die in ganz Deutschland in einem halben Jahr an Strom erzeugt wird. Darin enthalten sind neben den normalen Lagerbeständen der Mineralölwirtschaft auch die gesetzlich vorgeschriebenen Mengen des Erdölbevorratungsverbands (EBV). 

Denn: Das „Gesetz über die Bevorratung mit Erdöl und Erdölerzeugnissen“ verpflichtet den Erdölbevorratungsverband und die Hersteller von Erdölerzeugnissen zu einer Reservehaltung für mindestens 90 Tage, um eventuelle Versorgungsengpässe aufzufangen.

Das Besondere am Energiespeicher Mineralöl ist, dass große Vorräte auch direkt bei den Verbrauchern lagern. Dazu zählen die privaten Haushalte, die allein in Heizöltanks über rund 195 TWh Energie verfügen. Hinzu kommen mehr als 11 TWh in PKW-Tanks. 

Berücksichtigt man auch noch die Lagerbestände von Tankstellen und Heizölhändlern ergibt sich eine Energiemenge von insgesamt 535 TWh, die in Form von Rohöl, Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin in deutschen Tanks lagert. Und das ist nur eine Abschätzung der Untergrenze, denn Lagerbestände etwa von Industrie und Schifffahrt sind hierbei noch gar nicht einbezogen.

Flüssige Brennstoffe sichern die Versorgung

Die spezifischen Vorteile von Mineralölprodukten machen das möglich: Benzin, Heizöl & Co. haben eine sehr hohe Energiedichte und lassen sich unkompliziert und verlustfrei über relativ lange Zeiträume lagern. 

Und genau darin zeigen sich auch die entscheidenden Vorteile gegenüber Strom, der in den Diskussionen zur Energiewende vielfach als „Allheilmittel“ gilt. Die Stromerzeugung soll zunehmend auf erneuerbaren Energien wie Sonne oder Wind verlagert werden. Diese Energien stehen aber nicht kontinuierlich zur Verfügung und große Speicherkapazitäten sind derzeit nicht in Sicht. Dennoch muss die Stromnachfrage jederzeit gedeckt werden. Das wird nicht einfacher, wenn erneuerbarer Strom zusätzlich für Wärme und Mobilität genutzt werden soll. 

Neben der Bereitstellung der benötigten Energiemengen, muss zudem eine Infrastruktur errichtet werden, die Strom in allen Anwendungsbereichen genauso sicher und an jedem Ort in der benötigten Menge bereitstellt, wie es bislang bei konventionellen Energien der Fall ist. 

Das Beste aus zwei Welten: E-Fuels 

E-Fuels - also Brennstoffe, die auf Basis erneuerbarer Energien synthetisch erzeugt werden könnten – machen  genau das möglich: Sie fungieren als Stromspeicher, sind leicht zu transportieren, haben eine hohe Energiedichte und können auf die hervorragende Infrastruktur der heutigen Erdölindustrie und -logistik zurückgreifen. 

Gleichzeitig haben sie ein hohes CO2-Minderungspotenzial und verleihen Verbrennungsmotoren und Brennwertheizungen langfristig eine klimaneutrale Perspektive. Die Mineralölwirtschaft beteiligt sich an der Erforschung und Entwicklung solcher E-Fuels.