Bundesumweltministerin befürwortet „Power-to-X“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat ein Aktionsprogramm des BMU für den Einsatz von strombasierten Brennstoffen (Power-to-X/PtX) vorgelegt und betont, dass PtX in Zukunft national und international einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten wird.

Das Bundesumweltministerium (BMU) will sein bisheriges Engagement für Forschung und Entwicklung nachhaltiger PtX-Produkte ausweiten und legte am 10. Juli 2019 das „Aktionsprogramm PtX“ vor. „Auf dem Weg in eine klimaneutrale Weltwirtschaft wird es nicht reichen, nur die Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umzustellen“, sagte Schulze und betonte auch dass es „für den Klimaschutz zwingende Voraussetzung ist, dass diese Brennstoffe aus erneuerbarem Strom hergestellt werden.“ Das BMU werde sich für den Know-how-Transfer in diesem wichtigen Feld einsetzen und die Unternehmen bei der Entwicklung der Technologie unterstützen, so die Zusage von Schulze.

In der Mineralölbranche wird das BMU-Aktionsprogramm als Schritt in die richtige Richtung begrüßt. Denn neben fortschrittlichen Biokraftstoffen werden insbesondere auch synthetische, klimaneutrale Kraftstoffe auf Basis erneuerbaren Stroms in der Zukunft von Bedeutung sein. Für deren Markteinführung bedarf es, neben den vom BMU jetzt unterstützten Forschungsaktivitäten und Reallaboren, aber auch geeigneter Markteinführungsprogramme.

Ebenso wichtig: Die gleichberechtigte Anerkennung regenerativer Kraftstoffe in den entsprechenden Verordnungen und Gesetzen. Dazu zählt auch die schnellstmögliche Anrechenbarkeit klimaneutraler Kraftstoffe bei der EU- Flottenregulierung der Fahrzeughersteller. Durch einen erfolgreichen Markthochlauf im Verkehrssektor können die Vorteile von PtX-Produkten dann auch in anderen Sektoren, wie dem Gebäudebereich, zur Erreichung der Klimaziele eingesetzt werden. Im Sinne einer Technologieoffenheit, die Wettbewerb und Innovationen anreizt, sollten aus Sicht der Mineralölbranche nicht bestimmte Anwendungsfelder für PtX von Anfang an ausgeschlossen werden. 

Internationale Perspektive und nationale Wertschöpfung

Aktuelle Studien zeigen, dass klimaneutrale Kraftstoffe auf Basis erneuerbaren Stroms, PtX oder auch E-Fuels genannt, perspektivisch zu wettbewerbsfähigen Preisen im Vergleich zu anderen treibhausgasneutralen Alternativen hergestellt werden könnten. Zugleich würde ein globaler PtX-Markt positive Perspektiven für die deutsche Wirtschaft und den internationalen Handel eröffnen. 

Dieser Ansicht folgt jetzt auch das BMU. Für Länder mit einem hohen Potenzial an erneuerbaren Energien könne die Produktion von strombasierten Brenn-, Kraft- und Grundstoffen künftig eine attraktive Exportperspektive sein – sofern dort mehr erneuerbare Energie produziert werden könne, als für den Eigenbedarf erforderlich ist. Denn ein durch PtX getriebener Ausbau der erneuerbaren Energien dürfte in den betreffenden Ländern nicht dazu führen, dass für die eigene Energieversorgung parallel der Einsatz fossiler Energieträger oder Atomenergie zementiert oder ausgebaut würde. Die Zusammenarbeit mit entsprechenden Ländern will das BMU nun intensivieren.

Für deutsche Anlagenbauer eröffneten sich dadurch gute Exportchancen. Sie sind laut BMU seit Jahren bei der Entwicklung und Anwendung der verschiedenen technologischen Optionen für PtX führend und sollten diesen Vorsprung weiter ausbauen. Dazu sieht das Aktionsprogramm unter anderem Unterstützung beim Bau von (Demonstrations-) Anlagen im großtechnischen Maßstab vor.

Bis zur globalen Marktreife von PtX gäbe es laut BMU aber noch einiges zu tun: Für einen Markthochlauf müsse PtX viel stärker auf die nationale und internationale politische Agenda kommen. Die Technologien müssten zur Marktreife entwickelt und wo möglich noch effizienter gemacht werden. Auch brauche es nationale wie internationale Rahmenbedingungen – etwa verbindliche Nachhaltigkeitskriterien, gesetzliche Normen, etc. – die die Produktion von PtX unterstützen und ihren Klimaschutzbeitrag sicherstellen.

Die Mineralölwirtschaft unterstützt diese Zielsetzungen bereits heute durch aktive Mitarbeit in branchenübergreifenden Initiativen wie der Power to X Allianz, die bereits einen konkreten Vorschlag für ein Markteinführungsprogramm erarbeitet hat, oder der Global Alliance Power Fuels, einem international ausgerichteten Bündnis unter Koordination der Deutschen Energieagentur (dena).